Noetik Wissen
Die kurze Abhandlung basiert im Wesentlichen auf den Texten von Carl Braig "Abriss der Noetik", Freiburg 1879
Begriffswelt der Noetik
LOGIK untersucht, ob das Gedachte richtig ist. Sie behandelt die Formen und Gesetze des Denkens (Begreifen, Urteilen, Schließen, Beweisen) und verknüpft sie miteinander.
DIALEKTIK behandelt den Gebrauch von Mitteln, durch welche der Denkinhalt aufgefasst werden soll. Die Auswahl der Mittel entscheidet über die Denkrichtigkeit. Der Zweck des Denkens wird erreicht, wenn Richtiges gedacht wurde und das Gedachte wahr ist.
Von der Denkwahrheit handelt die ERKENNTNISLEHRE. Sie ermittelt, inwiefern der richtig gefasste Wissensinhalt im Bewusstsein des Erkennenden der richtige Verhältnisabdruck von der Wirklichkeit ist.
Dialektik ist die Formwissenschaft des Denkens, NOETIK ist die Erkenntniswissenschaft der angewandten Logik. Sie passt die gesetzmäßig erzeugten Denkformen (durch die Dialektik) dem Gedankenstoff an. Weil sie gleichzeitig prüft, beurteilt und zu entscheiden sucht, wann und inwieweit die Denk- und die Seinsformen zueinander passen, übt die Erkenntniswissenschaft Kritik des Erkenntnisvermögens und seiner Bestätigung.
Gegenstand der Noetik
Der Gegenstand der Noetik sind die Formen und Weisen der geistigen Betätigung, die zu Auffassung des Gegebenen und seiner Ergründung dienen. Die Formen und Weisen werden aber nicht als Versuchsprozesse behandelt, sondern in ihrer Vollendung als Werkzeuge der Erkenntnis.
Arten der Wahrheit
Ontologische Wahrheit = die Ganzheitlichkeit des Wesens in seinem Dasein, die Wirklichkeit und die Seele.
Psychologische Wahrheit = Verlauf der Vorgänge in der Seele, insbesondere die Wirklichkeit des Denkens.
Logische Wahrheit = die Richtigkeit für die Gesetzmäßigkeit der Verknüpfung für die Denkformen, die Übereinstimmung des Denkens mit sich selbst.
Noetische Wahrheit ist die psychologische Wahrheit, geordnet nach den Normen der logischen und erfüllt vom Gehalt der ontologischen Wahrheit. Sie ist die Übereinstimmung zwischen Denken und Sein.
Einteilung der Noetik
Noetik teilt sich in drei Aufgabenfelder:
− Inhalt: Prüfung der Gründe, welche die Wahrheit des Erkennens bewirken. Erkennen zwischen Wahrem und Unwahrem.
− Form: Aufzeigen der Mittel, durch die wir Einsicht in das Verhalten der Gründe erlangen. Unterscheidung zwischen Gewissen und Ungewissen.
− Tragweite: beschreibt den Kreis, in dessen Umfang die Sicherheit des Erkennens angetroffen wird. Achtung der Erkenntnisgrenzen.
Methoden der Noetik
Den Ausgangspunkt der noetischen Erkenntnis bildet die Erfahrung, die das Selbstbewusstsein stärkt. Die Eigenerfahrung und Selbstbeobachtung richten sich auf alle Tätigkeiten, Zustände und Ergebnisse des Lernens. Noetik vereint die analytische (induktive) Prüfung mit der deduktiven Schlussfolgerung.
Die Stellung der Noetik
Die Erkenntniswissenschaft beschäftigt sich mit der Denkwahrheit. Ihre Schlussfolgerungen basieren auf Ergebnissen anderer Wissenschaften wie der Anatomie, Physiologie, Psychophysik und Psychologie. Die Begründung ihrer Thesen liefert vor allem die Metaphysik.
Die Noetik erforscht das Endziel der Wissenschaften. Dabei forscht sie nach der Erkenntnis, wie alle wissenschaftliche Bestrebungen auf ein Endziel zusammenzuführen sind.